AIAC NEWS

dell'Associazione Internazionale di Archeologia Classica

AIAC NEWS n. 25 (Giugno 2000)

DIE WIEDERVEREINIGUNG DER BERLINER MUSEEN.

 

Die deutsche Wiedervereinigung kam im Gefolge der Ereignisse von 1989 überraschend, aber nicht ganz unvorbereitet. Auch innerhalb der Berliner Staatlichen Museen hatte es manche Überlegung und manches Gespräch gegeben, wie die ihrer Geschichte und ihrem Aufbau zuwiderlaufende Teilung, wann auch immer möglich, zu überwinden wäre. Daher hat es nicht lange gedauert, in einer Denkschrift Überlegungen "zu den zukünftigen Standorten und zur Struktur" der 1992 auch administrativ vereinigten Staatlichen Museen zu Berlin festzulegen. Die Denkschrift hat viele Mitarbeiter in Ost und West gehabt, sie ist in einer gemeinsamen Direktorenkonferenz 1990 einstimmig verabschiedet worden, aber sie wird mit den Namen der Generaldirektoren Wolf-Dieter Dube und Günter Schade verbunden bleiben, die ihre Grundzüge in der Folgezeit verwirklicht haben.
Zehn Jahre später wird deutlich, daß sich diese Denkschrift vor allem mit der Ordnung der Standorte der Staatlichen Museen beschäftigt hat, eine Frage, die angesichts der anstehenden Vereinigung der nahezu in allen Fällen doppelt existierenden Museen vordringlich war. Weniger hat man sich damals einer Strukturreform zugewendet, die erst nach der Vereinigung der verschiedenen aufgebauten zentralen Verwaltungen und Werkstätten dringlicher geworden ist. Was die Standorte anging, war man sich angesichts der Größe der zu vereinigenden Sammlungen und angesichts ihrer Entwicklung schon im beginnenden 20. Jahrhundert klar, daß die Zukunft nicht in einem Haupt- und mehreren Nebenstandorten liegen konnte, sondern nur in einer vorsichtigen Dezentralisierung innerhalb der groß gewordenen Stadtlandschaft von Berlin. Dezentralisierung sollte Entschränkung der Besucher- und damit der Verkehrsströme heißen, aber auch Konzentration auf die drei historisch gewachsenen und 1990 bereits existierenden Standorte in Berlin-Mitte (Museumsinsel), Tiergarten (Kulturforum) und Dahlem. Dementsprechend ist heute der Museumsstandort Dahlem Sitz des Ethnologischen Museums, des Museums Europäischer Kulturen, des Museums für Indische Kunst und des Instituts für Museumskunde. Das in den 90er Jahren mit Vorzug ausgebaute Kulturforum am Tiergarten ist Sitz der Gemäldegalerie, der Kunstbibliothek, des Kunstgewerbemuseums, des Kupferstichkabinetts - Sammlung der Zeichnungen und Druckgraphik und der Neuen Nationalgalerie; zugeordnet ist das Schloß Köpenick als Abteilung des Kunstgewerbemuseums, die Sammlung Berggruen in Charlottenburg als Abteilung der Nationalgalerie und der Hamburger Bahnhof. Die Museumsinsel ist Sitz der Alten Nationalgalerie, der Antikensammlung, des Münzkabinetts, des Museums für Islamische Kunst, der Skulpturensammlung und des Museums für byzantinische Kunst, des Vorderasiatischen Museums; zugeordnet sind die vorläufig noch in Charlottenburg untergebrachten Museen, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, sowie die Gipsformerei und das Rathgen-Forschungslabor. Außerdem hat auf der Museumsinsel das Zentralarchiv seinen Platz, während die Generaldirektion am Kulturforum residiert.
Das größte Problem für die Staatlichen Museen zu Berlin ist zur Zeit der außerordentlich unterschiedliche Zustand ihrer Sammlungen, hirer Gebäude und hirer Ausstattungen. Der größte Abstand besteht zwischen dem „Neuen Museum", das bekanntlich immer noch Kriegsruine des Zweiten Weltkriegs ist, und der Gemäldegalerie am Kulturforum, die 1998 mit dem technisch modernsten Standard eröffnet worden ist; dazwischen liegen alle Grade der Sanierungs- und Renovierungsbedürftigkeit auch der nach dem Krieg wiederhergestellen oder neu errichteten Gebäude in allen Teilen der Stast. Der Zustand der Magazine reicht von der noch immer benutzten notdürftigen Herrichtung aus der Nachkriegszeit im Pergamonmuseum bis zur Klimatechnisch vollausgerüsteten Studiengalerie am Kulturforum. Der Zustand der Objekte reicht vom Ausgrabungsbefund, in dem sich manche archäologischen Gegenstände seit ihrer Verbringung nach Berlin zu Beginn dieses Jahrhunderts immer noch befinden, über die während des Zweiten Weltkriegs und seiner Folgen Angegriffenen Altrestaurierungen des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts (z.B. an Pergamonaltar und Markttor von Milet) bis zu den während der 90er Jahre abgeschlossenen Arbeiten an Statuen uns Gemälden, die modernsten Anforderungen genügen (z.B. Skulpturen der rotunde des Alten Museums oder Ausstellungsgut der Gemäldegalerie). Die auf der Museumsinsel und in Dahlem Anstehenden Gebäudesanierungen müssen von umfangreichen Bestandsrestaurierungen begleitet werden, und zwar nicht nur an den für dir Neuaufstellungen vorgesehenen Objekten, sondern in unterschiedlichem Ausmaß auch in den Magazinen.
Immerhin ist soviel deutlich, daß die archäologischen Sammlungen in den kommenden Jahren ihre Neuaufstellung in den nach und nach zu sanierenden Gebäuden auf der Museumsinsel finden werden, daß die neuere Kunstgeschichte weitgehend am Kulturforum zu finden sein wird und die außereuropäischen Kulturen in Dahlem. Unter den ungelösten Problemen ist derzeit das schwerwiegendste die Trennung der Skulpturensammlung, für die das Bodemuseum auf der Museumsinsel hergerichtet wird, von der Gemäldegalerie, die 1998 glanzvoll am Kulturforum eröffnet worden ist.
Die bauliche Hauptaufgabe für das gerade angebrochene Jahrzehnt muß nach Bekundung aller damit befaßten politischen Stellen der Wiederaufbau der Museumsinsel sein. Auch deren Gebäude befinden sich in sehr unterschiedlichem Zustand: die Alte Nationalgalerie wird derzeit renoviert und kann 2001 wiedereröffnet werden; das Bodemuseums an der Spitze der Museumsinsel ist im Umbau und soll bis 2004/05 wiedereröffnet werden. Das Pergamonmuseum ist trotz mancher Beeinträchtigung noch für die Besucher geöffnet und soll ab 2005 saniert werden. Das Neue Museum ist noch immer Kriegsruine, die Pläne für den Wiederaufbau sind fertig, der Baubeginn ist auf 2001 festgesetzt. Das Alte Museum - immer wieder gelobte Krone der Museumsarchitektur - braucht ebenfalls eine grundlegende Sanierung, die aber nach den derzeitigen Finanzplänen erst ab 2007 realisiert werden kann.
Außer einem Architekten für die Sanierung des Pergamonmuseums sind für alle Bauten die Architekten bereits ausgewählt und unter Federführung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung an der Arbeit. Die Architekten Heinz Tesar (Bodemuseum), David Chipperfield Architects (Neues Museum) und Heinz Hilmer - Christoph Sattler (Altes Museum) haben im Auftrag des scheidenden Generaldirektors W.-D. Dube 1998/99 einen Masterplan für die Gesamterschließung der Gebäude auf der Museumsinsel und ihre städtebauliche Einbindung vorgelegt. Der Masterplan geht davon aus, daß die denkmalgeschützten Gebäude alle als Solitäre erhalten bleiben und durch eine unterirdische Verbindung ihrer Höfe von einem neu zu errichtenden Eingangsgebäude am Kupfergraben aus erschlossen werden. "Diese Passage mit klarer Achsialität reicht von Schinkels Altem Museum bis zum Bodemuseum. Als direkteste und einzig behindertengerechte Verbindung zwischen den verschiedenen Museumsgebäuden bietet sie zugleich einen Anschauungsraum für die Kulturleistung der archäologischen Wissenschaften, das Freilegen der Menschheitsgeschichte unter der Erdoberfläche. In der weiträumigen Unterwelt die archäologischen Passage werden in vielfach wechselnden Verbindungen der unterschiedlichen archäologischen Sammlungen Zentralthemen solcher Kulturüberlieferungen und kultureller Gedächtnisarbeit von der Schriftentwicklung über die geradezu gigantische archäologische Bibliothek der Berliner Museen auf Papyri, Tontafeln und antiken Steininschriften bis hin zu den unterschiedlichsten Formen der Sepulkralkultur ausgebreitet." (Peter-Klaus Schuster)
Auch wenn die einzelnen Gebäude der Museumsinsel in Zukunft ihre einzelnen Eingänge behalten, wird die "archäologische Promenade" die wesentliche Erschließung der Gebäude bieten. Nach den derzeitigen Planungen wird sie schon in den Rundgängen des Alten Museums mit einer eigenen fächerübergreifenden Ausstellung zum antiken Menschenbild anklingen. Im Übergang zwischen Altem und Neuem Museum wird der Besucher in der Promenade den fächerübergreifenden Ausstellungsbereich "Schrift und Schreiben" erreichen, in dem er den Charakter des Wissensspeichers der archäologischen Sammlungen erfahren kann. Die archäologische Promenade erreicht das Neue Museum am griechischen Hof, in dem die großflächigen Mosaiken der Antikensammlung zu sehen sein werden. Sie leiten hinauf in die Ausstellungsbereiche von "Vaterländischem Saal" und "Römischem Saal", d.h. unmittelbar nach oben in die Ausstellungsbereiche des Museums für Vor- und Frühgeschichte, in deren fächerübergreifende Dauerausstellung "Das römische Imperium" sowie in den kulturgeschichtlichen Rundgang im Obergeschoß.
Die archäologische Promenade im Neuen Museum führt neben der Darstellung der altägyptischen Kulturgeschichte weiter zu dem fächerübergreifenden Ausstellungsbereich "Tod und Auferstehung" mit Dominanz der ägyptischen Sammlungen, um den Totenkult als Fundbasis der archäologischen Sammlungen erfahrbar zu machen. Von dort wird der Besucher den Weg über den Ägyptischen Hof in die weiteren Ausstellungsbereiche des Ägyptischen Museums gehen können. Wie im Alten Museum haben die beiden Höfe des Neuen Museums wichtige Verbindungsfunktionen zu den in den oberen Geschossen ausgebreiteten Sammlungen.
Die archäologische Promenade führt über den Gelenkraum, der den Zugang von und zum neuen Eingangsgebäude ermöglicht, ins Pergamonmuseum, wo in einer noch zu bestimmenden Zuordnung zum Süd-, Ost- und Nordflügel eine "Einführung in die antike Architektur" als fächerübergreifender Ausstellungsbereich die unmittelbare Verbindung zu den darüber befindlichen Ausstellungen von Vorderasiatischem Museum, Ägyptischem Museum, Antikensammlung und Islamischem Museum ermöglichen, von denen Vorderasiatisches und Islamisches Museum in den Obergeschossen von Süd- bzw. Nordflügel die jeweiligen kulturgeschichtlichen Rundgänge bieten. In diese eingeschlossen werden die fächerübergreifenden Ausstellungsbereiche "Handwerk und Technik" mit Dominanz des Vorderasiatischen Museums bzw. "Ornamentik" mit Dominanz des Islamischen Museums.
Eine besondere Überleitung ist in der archäologischen Promenade für den Bereich unter der Stadtbahn gedacht: Wenige Kunstwerke aus allen an der Ausgestaltung der archäologischen Promenade beteiligten Museen sollen das fächerübergreifende Thema "Kunst des Erinnerns - Erinnerung in der Kunst" erläutern, ehe die archäologische Promenade mit demselben Thema in der zweischiffigen Halle unter der Basilika des Bodemuseums mit Denkmälern der Grabeskunst von der Spätantike bis um 1800 (Grabmal des Grafen von der Mark) endet. Von dort wird der Besucher in die oberen Geschosse mit den Rundgängen zur Kulturgeschichte von Byzanz, des Mittelalters und zur neueren Kunstgeschichte gelangen.
Diese Verbindung der Einzelgebäude auf der Museumsinsel hat zwei Voraussetzungen: ein neues zentrales Eingangsgebäude am Kupfergraben, das die Hauptservicefunktion inklusive Foyer, Information, Auditorium, Sonderausstellungsraum, Restaurant und Museumsshop übernimmt, sowie die sogenannten Museumshöfe jenseits des Kupfergrabens, auf denen die wichtigsten Infrastruktureinrichtungen der Museen inklusive Verwaltung, Werkstätten, Bibliotheken und Depots untergebracht werden können. Die Vollendung "bei laufendem Betrieb" (bisher war daran gedacht, stets mindestens zwei Gebäude für die Besucher offen zu halten) setzt eine gesicherte Finanzierung und eine äußerst genaue Baulogistik voraus. Die Aufnahme der Museumsinsel in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO mit der Übergabe der Urkunde in der Rotunde des Alten Museums am 10.3.2000 hat uns dafür Mut gemacht. Die Berliner Museen wünschen sich für das Kulturforum und für Dahlem nun entsprechende Vollendungspläne.

W.-D. Heilmeyer

 

 

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