dell'Associazione Internazionale di Archeologia Classica
AIAC NEWS n. 21 (Giugno 1999)
GRABUNGEN IM BEREICH DER BISCHOFSKIRCHE OSTIAS UND IHRES VORGÄNGERBAUS (1998).
Seit 1996 wurden von der Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts in den nicht ausgegrabenen Bereichen Ostias mehrere geophysikalische Messungen vorgenommen, die in erstaunlichem Maße verborgene Mauerzüge sichtbar machten und so einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Bebauungsstruktur dieser Stadt leisteten (M. Heinzelmann H. Becker K. Eder M. Stephani, RM 104, 1997, 537ff; M. Heinzelmann, RM 105, 1998, 425ff.).
Zu den aufsehenerregendsten Ergebnissen dieser Prospektionen zählt die Entdeckung einer großen dreischiffigen Basilika, die sich in der Regio V, östlich der sog. Via del Sabazeo befindet (PHOTO). Dieser einschließlich Atrium ca. 80m lange Baukomplex zeichnet sich auf dem 1997 erstellten Magnetogramm besonders klar ab (PHOTO). Zudem ist als Vorgängerbau auch eine kaiserzeitliche Insula zu erkennen: diese scheint nachträglich vom Atriumvorhof der Kirche und von der Westpartie des Naos überbaut worden zu sein.
Die Kirche ist mit hoher Wahrscheinlichkeit als konstantinische Gründung zu identifizieren. Im Liber Pontificalis wird die Stiftung in einem längeren Eintrag genannt, und auch die Akten des hl. Gallicanus erwähnen den Bau, wobei eine wichtige topographische Angabe gemacht wird: die Kirche habe sich bei der Porta, die Laurentia genannt wird, befunden (Lib. Pont. I, 183; Acta Sanctorum XXVII = Juni, VII, S. 33 f.).
Gerade diese Information deckt sich vorzüglich mit der Lage der Basilika, befindet sich diese doch in der Nähe eines Stadttors, über das man Ostia in Richtung Laurentum verlassen konnte.
Im Herbst 1998 wurden im Rahmen einer ersten Grabungskampagne an verschiedenen Stellen der Kirche und ihres Vorgängerbaus insgesamt sechs Grabungsschnitte geöffnet, die nicht nur die Frage der Datierung und damit Identifizierung dieses Sakralkomplexes beantworten, sondern vor allem auch das Verhältnis zwischen der Kirche und dem Vorgängerbau klären sollten (PHOTO). Die Auswahl der Grabungsschnitte wurde obendrein durch das Gelände mitbestimmt: Das Terrain, in dem sich Kirche und Vorgängerbau befinden, fällt nach Norden ab, so daß besonders aussagekräftige Befunde vor allem im Südbereich und im Bereich des Atriums zu erwarten waren.
In allen Schnitten zeigten sich bereits unmittelbar unter der Humuszone erste Befunde: während sich in den höher gelegenen Sondagen immerhin geringe Partien aufgehenden Mauerwerks erhalten haben, kamen in den östlichen Schnitten nur Fundamentmauern zutage.
Auf der Grundlage des Befundes in Schnitt 4 (PHOTO) ließen sich Grundriß und Aufbau der Kirche in den Grundzügen klären. Wie erwartet kam in dieser Sondage die westliche Abschlußwand der Kirche und der Ansatz der südlichen Stützenwand zum Vorschein. In der Flucht der Zungenwand hat sich eine Säulenbasis in situ erhalten, so daß es möglich war, das Interkolumnium und damit die Stützenzahl (14) zu ermitteln. Eine präzise Rekonstruktion des Aufbaus der Kirche verbietet sich aufgrund der geringen Anhaltspunkte. Es kann aber keine Frage sein, daß die Anlage im basilikalen Schema mit gestuftem Querschnitt rekonstruiert werden muß: dafür sprechen die im Vergleich zu den Fundamenten der Stützenwand äußerst dünnen Außenmauern des Gebäudes. Ebenfalls in Schnitt 4 fanden sich geringe Reste eines schwarzweißem Mosaikbelags, der in den erhaltenen Partien rein ornamentale Muster aufweist. Stratigraphische Gründe sprechen allerdings dafür, daß dieser Bodenbelag erst einer zweiten, postkonstantinischen, Ausstattungsphase entstammt.
In den Sondagen 3, 4 und 5 kamen auch Reste des Vorgängerbaus zum Vorschein, wobei sich überall dasselbe Bild ergab: man hatte diesen abgerissen, das gesamte Areal einplaniert, um eine ebene Baufläche für den Kirchenkomplex zu schaffen. Besonders deutlich wurde dies in Schnitt 3: Auf der rasierten Außenmauer der römischen Insula gründet die Fundamentmauer der Kirche, deren Bodenniveau sich an dieser Stelle fast 1m über dem des Vorgängerbaus befindet. Jenseits der Apsis der Kirche fiel das Gelände ab: hier ergab sich durch das Ende der Aufschüttung ein Niveauabfall von 70-80 cm.
Damit zur Datierung der Kirche: An der Außenseite der Fundamentmauer in Schnitt 2 wurde ein ungestörter Abschnitt des Fundamentgrabens angetroffen. Das Füllmaterial enthält ein beachtliches Quantum an Keramik, dessen Datierung zugleich auch den terminus post quem für die Kirche liefert. Eine erste vorläufige Auswertung dieses Materials ergab, daß die überwiegende Masse in das 2. bzw. 3. Jh. datiert werden muß. Nur einige wenige Amphorenscherben stammen aus dem 4. Jh., so daß man auf der Basis der Keramik den Baubeginn der Kirche in das frühe 4. Jh. setzen kann.
Problematisch bleibt der Befund in Schnitt 1, der entlang der Kirchenachse Apsis und Apsissehne schneidet: zwischen diesen beiden Mauerabschnitten fand sich eine kompakte Schuttschicht mit einem außerordentlich hohen Anteil an Keramik, die einzelne Fragmente aus dem Frühmittelalter aufweist. Es konnte noch nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob diese Kontamination durch spätes Material auf den Einbau eines Podiums oder auf eventuelle Reparaturmaßnahmen an der Apsisaußenmauer zurückzuführen sind.
Damit sind wir bereits bei der späteren Geschichte des Baus angelangt. Sicherlich nicht aus der originalen Bauzeit sind die beiden Bestattungen, die in Schnitt 4 zum Vorschein kamen. Unmittelbar in der Ecke zwischen Westwand des Naos und südlicher Stützenwand kam ein vollständig erhaltener Riefelsarkophag aus dem späteren 3. Jh. zutage, den man wiederverwendet hatte; ein zweiter benachbarter Sarkophag wurde im Zuge einer Raubgrabung geplündert und zerstört.
In Schnitt 3 fanden sich die Reste eines frühmittelalterlichen Grubenhauses. Bei der Freilegung kam ein eingestürztes Ziegeldach zutage, das man im späten 5. / frühen 6. Jh. an die südliche Außenmauer der Kirche angebaut hatte. Das eingestürzte Dach begrub unter sich ein Amphorenlager, deren Scherben sich reichlich unter dem Dachversturz fanden. Siedlungsspuren des 5. / 6. Jhs. fanden sich auch in den Portiken des Atriums. Es scheint demnach, daß der Kirchenbau schriittweise von einfachen Wohnhäusern umfaßt und teilweise sogar okkupiert wurde.
Spätestens in karolingischer Zeit muß die Kirche verfallen gewesen sein. Im Westbereich der Kirche fand sich über dem Boden der Kirche eine breite Schuttschicht, die einige wenige Fragmente der sog. Forum-Ware enthielt, die in das frühe 9. Jh. datiert werden können. Diese Zerstörungsschicht enthielt auch einige faustgroße Marmorabschläge, die vielleicht auf eine intentionelle Zerstörung von Marmorwerkstücken zur Kalkgewinnung hindeuten. Auch Wandverstürze bedecken den Boden und illustrieren den allmählichen Verfall des Baus. Interessanterweise stürzten diese Mauerpartien auf einen bereits zerstörten Boden, was zeigt, daß der Verfall nicht schlagartig einsetzte, sondern ein allmählicher Prozeß war.
In den Jahren 827-844 ließ Gregor IV. anstelle der von den Sarazenen zerstörten Siedlung den nach dem Papst benannten Borgo Gregoriopolis errichten, der von nun an als Bollwerk gegen weitere Einfälle von See dienen sollte. Durchaus denkbar, daß diese Verlagerung der Siedlung auch das Ende der konstantinischen Kirchengründung bedeutete.
Ein ausführlicher Vorbericht erscheint im Band 106, 1999, der Römischen Mitteilungen.
Franz Alto Bauer / Michael Heinzelmann, Deutsches Archäologisches Institut, Rom